Schumann – Das komlette Werk für Solo-Klavier

Hatte ich zunächst nicht vorgehabt, mir Schumanns Klavierwerk komplett zuzulegen, stellte sich auch hier schnell das Bedürfnis ein, die interessantesten Werke aus einer Hand zu hören.

 

 

Schumann Project

Complete Piano Solo Music

Eric le Sage (Klavier)

2006-09, Alpha, 13 CDs

JPC | Qobuz

Sicher gibt es viele sehr gute Interpreten, die jeweils das eine oder andere Werk sehr gut eingespielt haben, aber bei dem einen klingt Schumann wie Beethoven, beim nächsten wie Chopin. Echte Schumann-Nähe schaffen (dauerhaft) nur wenige, davon haben die meisten jedoch nur einen kleinen Ausschnitt seines Werkes eingespielt, wie z. B. Matthias Kirschnereit, von dem ich mir nach dem Hineinhören in die Aufnahme mit den Waldszenen, Papillons und Kinderszenen mehr gewünscht hätte. Wilhelm Kempff hat bis in die 1970er Jahre hinein zwar vieles eingespielt, allerdings sind mir seine Aufnahmen ein wenig zu spröde. Auch Vladimir Ashkenazys auf 7 CDs verteilte Schumann-Einspielung konnte mich nicht wirklich überzeugen.

 

Schließlich entdeckte ich dann noch eine Gesamteinspielung aller Schumann-Klavierwerke auf 13 CDs mit insgesamt fast 14 Stunden Spieldauer. Neben vielen weiteren, eher unbekannteren Stücken enthält sie auch die seltener gehörten Variationen (Etüden) über das Thema aus dem zweiten Satz der 7. Sinfonie Ludwig van Beethovens.

 

Ich brauchte nur einige Stücke anzuspielen, um zu erkennen, dass es sich hier um einen echten Glücksgriff handelt. Éric Le Sage, ein 1964 in Frankreich geborener Pianist – der seit 2010 eine Professur für Klavier an der Musikhochschule Freiburg innehat –, spielt hier nicht einfach in Fleißarbeit Schumann herunter. Nein, hier tritt der absolute Glücksfall ein, dass der Interpret ein Seelenverwandter des Komponisten zu sein scheint.

 

Bei Le Sage habe ich das Gefühl, dass Schumann selbst jedes einzelne Werk genau so gespielt hätte. Kempff und Ashkenazy treffen den Ton bei einzelnen Stücken zwar ähnlich gut – aber eben nicht mit so hoher Kontinuität bei wirklich allen Stücken. Gewiss werden verschiedene Werke von anderen origineller gespielt (Kissins Interpretation des Harlekin aus dem Carnaval), noch virtuoser,  „romantischer“ oder wie auch immer, aber Le Sage steht diesen einzelnen Highlights kaum nach. Ganz im Gegenteil merke ich beim zweiten Hinhören oft, dass andere Interpreten ihre Sichtweise aufdrängen, wo sich Le Sage zugunsten der Notentreue erfreulich zurückhält. Damit diese Aussage nicht missverstanden wird: Le Sages Interpretationen sind niemals niemals trocken oder gar langweilig (wie ich Kempff teilweise empfand), sein klares, frisches und immer sensibles Spiel weiß durchgängig zu begeistern. Er ist ein Virtuoser, der seine Virtuosität niemals um des Selbstzweck willens auftrumpfen lässt.

 

Die Aufnahmetechnik ist der Interpretation angepasst. Sie unterdrückt nichts, wirkt aber auch niemals spektakulär; sie ordnet sich der Musik unter und lässt diese einfach fließen. Ich kann ohne klangliche Ermüdungserscheinungen stundenlang zuhören. Auch für den Klang gibt es von mir folgerichtig nur die Bestnote.

  

Als Fazit sei diese Gesamteinspielung jedem Freund der Klavierwerke Robert Schumanns ausdrücklich empfohlen. Der Preis von rund 25 Euro für den Download bei Qobuz ist als echtes Schnäppchen anzusehen, die CD-Ausgabe liegt bei JPC etwa 10 Euro darüber.