Musik-Formate

Medien

Ich wuchs mit Schallplatten auf; später kamen dann Tonbandgerät bzw. Kassettenrecorder hinzu. Meine Welt war analog und übersichtlich.

 

Der digitale Umbruch begann Ende der 1970er Jahre. Zunächst wurde digital aufgenommen und analog gepresst, ab 1982/83 kam dann die CD als reines digitales Medium hinzu, sowie die dafür nötigen Abspielgeräte. In den seither vergangenen 35 Jahren entwickelten sich immer neue Geräte, Medien und Datenformate. Heute gibt es unzählige Arten, digitale Musik zu hören.

 

Obwohl ich ein technisch interessierter Mensch bin, stehe ich Neuentwicklungen immer auch skeptisch und abwartend gegenüber. Erst Ende der 1980er Jahre begann ich, parallel zu meiner mittlerweile recht großen Schallplattensammlung langsam auf CDs umzusteigen. Sie waren schon praktisch, die kleinen Silberscheiben. Mit einem kleinen portablen CD-Player konnte ich sie sogar überall hören – in deutlich besserer Qualität als mit den bis dahin üblichen mobilen Kassettenspielern. Auch im Auto war das ein gewaltiger Sprung nach vorn – ein gutes Radio und ebensolche Lautsprecher vorausgesetzt.

 

Dank der Entwicklung der Computertechnik (die Sound-Fähigkeiten der Computer wurden immer besser, Bauteile kleiner, Speicher größer, die Datenkomprimierung schritt schnell voran ...) entstand in den späten 90er Jahren dann eine weitere wichtige neue Gerätegattung: Der MP3-Player. Dem konnte ich zunächst nichts abgewinnen, weil der Klang einfach erbärmlich war.  Die Komprimierungsalgorithmen waren noch nicht ausgereift und die Bitraten waren zu niedrig. Letzteres war den damals noch sehr geringen Speichergrößen – und damit hohen Speicherpreisen – geschuldet.

 

In den darauffolgenden Jahren änderte sich das langsam. Zu den mit Verlusten behafteten komprimierten Formaten gesellten sich noch ein wenig später die verlustfrei komprimierten, mit denen die Original-CD-Qualität hörbar gemacht werden konnte. In den letzten Jahren gesellten sich zunehmend hochaufgelöste Formate hinzu. Immerhin sind die Bitraten (verlustfrei komprimiert) viermal so hoch wie bei der CD. Weil mittlerweile jedoch entsprechende Kapazitäten problemlos zur Verfügung stehen, lassen auch sie sich gut speichern.

 

Aktuell wäre nicht einmal eine größere Menge physikalischen Speichers vor Ort nötig, denn man kann zu jeder Zeit – soweit ein (Mobilfunk-) Netz vorhanden ist – Musik aus dem Internet "streamen", also quasi ohne Zwischenspeicherung auf die Schallwandler durchreichen. 

 

Ich selbst sprang 2006 auf den Zug der computerbasierten Musikwiedergabe auf. CDs mochten gegenüber Schallplatten deutlich kleiner und leichter sein, eine große und weiter wachsende Sammlung beanspruchte jedoch auch hier sehr viel Platz und bereitete bei jedem Umzug mehr Probleme. Da es mir immer „nur“ um die Musik ging, nicht um umständliche Hör-Zeremonien oder das Zurschaustellen einer großen Sammlung, fiel mir die Entscheidung dafür nicht schwer.

 

Über einen Zeitraum von fünf Jahren digitalisierte ich all meine analogen LPs und MCs. Ja, ich hatte auch MCs; mit einem sehr guten Nakamichi-Recorder aufgenommen. Viele davon über UKW empfangen – zu Zeiten, als sich der Rundfunk noch durch richtig gutes Programm und hochwertige Tonwiedergabe auszeichnete. (Das hat ja leider auch beides deutlich nachgelassen.)  Anschließend speicherte ich alle CDs auf Festplatte.

 

Von Streaming-Angeboten halte ich nichts und bevorzuge weiterhin das eigene Musik-Archiv auf meinen eigenen Speichern. Auch diese Musik kann ich dank mobiler Geräte mit großen Flashspeichern ohne Internetverbindung jederzeit und überall hören. Außerdem steht mir, auf dem Lande wohnend, im Deutschland 2017 leider noch immer keine jederzeit schnelle und zuverlässige Internetverbindung zur Verfügung. Ein weiterer Grund gegen das Streamen: Meine Sammlung kann nicht verschwinden, wenn der Streaming-Anbieter seine Präsenz plötzlich aufgibt oder seine Konditionen zu meinen Ungunsten ändert. (Damit meine ich nicht nur Preise, sondern auch die Möglichkeit, mich und meine Gewohnheiten auszuspionieren – auch wenn es dabei scheinbar „nur“ um mein Musik-Hörverhalten geht!) 

 

Datei-Formate

Bei der Auswahl Dateiformate entscheide ich mich nach folgenden Gesichtspunkten: 

  1. Klangqualität möglichst nah am Original.
  2. Format möglichst universell, also von allen Geräten abspielbar.
  3. Dateigröße möglichst klein.

Wenn für den heimischen Einsatz die erste Forderung die wichtigste ist, kommen nur verlustfrei (lossless) komprimierte Formate in Frage. Meine erste Wahl ist hier FLAC, weil es mittlerweile weit verbreitet ist und von allen Geräten in meinem Umfeld abgespielt werden kann. Ich setze dabei auf CD-Qualität, die meinen Ohren völlig ausreicht.

 

Bei konzentriertem Hören mag höhere Auflösung (HiRes) einen Tick feiner und luftiger klingen. Dies ist für mich – wenn überhaupt – nur mit Aufnahmen in wirklich guter Aufnahmetechnik im Direktvergleich über Highend-Geräte feststellbar. Dafür sind deutlich höherer Technik-Aufwand, größere Daten-Kapazitäten und nicht zuletzt höhere Preise nötig, die in ihrer Summe meines Erachtens nach für den minimalen Klang-Unterschied nicht gerechtfertigt sind.

 

Ist für den mobilen Einsatz die letzte Forderung relevant, greife ich auch zu MP3. Entweder mit konstanter, höchster Bitrate für Klassik und Jazz, oder leicht eingeschränkt mit variabler Bitrate um 200–250 KBps für nachlässig produzierten aktuellen Pop. MP3 ist das am weitesten verbreitete Format und wird von jedem Gerät abgespielt. Das ist mir für unterwegs wichtiger, als das letzte Quäntchen Klang oder noch besserer Datenausnutzung anderer Formate. Beim Einsatz eines guten Encoders (Lame) und guter Einstellungen lassen sich Ergebnisse erzielen, die – für meine Ohren – nicht mehr weit von der CD-Qualität entfernt sind. Unterwegs wirken sich Umgebungsgeräusche meist deutlich negativer auf das Klangempfinden aus, als der Wechsel von FLAC auf MP3.