Johann Sebastian Bach

In jungen Jahren fand ich J. S. Bachs Musik langweilig. Heute gehört er zu meinen liebsten Komponisten.

Generell hörte ich damals Barockmusik nicht besonders gern – und Kammermusik war für mich meist ödes Geklimper. Von der Orchestermusik des 19. und 20. Jh. arbeitete ich mich über die Jahre ganz langsam in der Musikgeschichte zurück. Lange blieb ich dann in der Frühklassik hängen, wo ich Bachs Nachfahren – insbesondere Johann Christian – kennen und schätzen lernte.

 

Erst spät begann ich, die Musik des Barock zu entdecken. Zunächst schafften mir französische und italienische Komponisten den Zugang – zu Beginn ganz besonders Antonio Vivaldi. Aber nun also auch J. S. Bachs Musik. Sie dringt ins Herz und beschäftigt den Verstand; ich empfinde seine Musik sehr intensiv und auf allen Ebenen.

 

Von einigen seiner Werke für Tasteninstrumente besitze ich mittlerweile zwei oder sogar drei verschiedene Interpretationen. Zu Bachs Lebzeiten gab es noch keine Klaviere im heutigen Sinne, es wurde auf Cembalos musiziert. Dies ist also die Art Instrument, die Bach am vertrautesten gewesen sein dürfte. Heute, 300 Jahre nach Bach, ist der moderne Konzertflügel ein völlig anderes Instrument, das ein grundsätzlich anderes Klangbild liefert und auch ein anderes, meiner Meinung nach differenzierteres, facettenreicheres Spiel erlaubt, als das Cembalo. Dazu mehr im Beitrag Cembalo oder Flügel?

 

Viele Werke Bachs unterscheiden sich für mich sehr stark, wenn sie auf unterschiedlichen Instrumenten gespielt werden. Weil das Cembalo in Bezug auf Bach das authentischste Instrument ist, besitze ich oft eine Cembalo-Aufnahme. Daneben schätze fast immer auch Interpretationen am modernen Flügel. Hier wiederum unterscheide ich zwischen „nüchternen“ und „romantisierenden“ Aufnahmen, wobei ich meist eine gesunde Mitte dazwischen bevorzuge. Für mich trifft Murray Perahia diesen Punkt bei vielen Werken am besten. Für manche Werke fand oder finde ich jedoch keine Einspielung, die meinen Vorstellungen entspricht, weil ich nur solche finde, die eine der Extrem-Sichten wiedergeben. Dann landen durchaus einmal zwei Klavier-Interpretationen in meiner Sammlung.

 

Besprechungen der Aufnahme, die mich zu Bach führten, finden Sie unter Barock