Scarlatti - Sonaten

Scarlattis Sonaten höre ich sehr gern am Klavier gespielt. Allerdings existieren auch sehr schöne Aufnahmen, die am Cembalo eingespielt wurden.

Ganz besonders, wenn es sich um ein so wohlklingendes Instrument handelt, an dem Günther Fetz um etwa 1980 herum vierzehn Sonaten eingespielt hatte (im Handel leider nicht mehr verfügbar).

 

Wie ich an anderer Stelle beschreibe, liebe ich Gesamteinspielungen von Werkgruppen. Scarlattis Sonaten wurden zwar zumindest am Cembalo mehrfach komplett eingespielt, jedoch bin ich im Zweifel, ob ich wirklich alle mehr als 500 hören möchte oder muss.

 

Ein Mammut-Projekt startete Chrisoph Ullrich etwa 2010: Er spielt – soweit mir bekannt – als erster Pianist alle Sonaten am Klavier ein. Das Projekt soll sich insgesamt über 17 Jahre hinziehen. Bislang sind vier Ausgaben (jeweils als Doppel-CDs) erschienen.

 

Andere Interpreten haben nicht alles eingespielt, geben aber dennoch einen recht umfassenden Überblick über Scarlattis Sonaten. So kann man auch Auszüge aus den Cembalo-Gesamteinspielungen von Scott Ross oder Pieter-Jan Belder erwerben, daneben haben z. B. Andreas Staier oder Pierre Hantai zahlreiche Sonaten am Cembalo vorgelegt. Doch kommen wir zu den Klaviereinspielungen: 

Domenico Scarlatti

Sonaten K. 11, 22, 39, 87, 96, 109, 118, 124, 132, 141, 146, 162, 183, 193, 208, 209, 213, 247, 268, 296, 315, 318, 319, 322, 380, 381, 386, 426, 427, 434, 436, 454, 455, 460, 466, 467, 475, 481, 492, 502, 515-517, 531-533, 537, 544, 551

+ „Scarlatti x 20“: Sonate G-Dur K. 55

Christian Zacharias (Klavier)

1978–1994, Warner-EMI, 4 CDs

JPC | Qobuz (nicht verfügbar!)

 

Am Klavier spielte Christian Zacharias zwischen  1978 und 1994 rund 50 Sonaten für die EMI ein. Zusätzlich gab es von ihm ein Album, auf dem sich 20 verschiedene Aufnahmen einer einzigen Sonate (K 55 in G-Dur) fanden, die er über 20 Jahre lang am Ende seiner Konzertabende als Zugabe spielte. Aktuell kann man all diese Einspielungen in Form einer 4-CD-Box sehr günstig erwerben, z. B. bei JPC. Außerdem veröffentlichte er 2002 weitere 14 Sonaten bei Dabringhaus & Grimm (JPC, Qobuz) Er tritt mit seiner Virtuosität nie in den Vordergrund und spielt sehr präzise. Das bekommt den schnellen Passagen gut, weil sie auf diese Art nicht verhuscht werden und immer spannend wirken. Langsame Sonaten, wie z. B. das gut zehnminütige Andante K.296 sind mit einer solchen Gelassenheit gespielt, dass sie auf mich wirklich entspannend wirken – diese Wirkung stellte sich bei mir bislang selten ein, wenn ich Scarlatti hörte. Die sehr schöne, ausgewogene Akustik unterstützt diese Wirkung. Das Klavier klingt bei aller Klarheit angenehm rund und voll. 

Suite G-Dur aus K. 13, 124, 125, 144, 454, 470, 284; Suite g-moll aus K. 450, 4, 76, 8, 35, 31, 108, 476; Suite D-Dur aus K. 435, 140, 32, 491, 490, 397, 278; Sonate E-Dur aus K. 206, 322, 135; Sonate F-Dur aus K. 518, 213, 6; Sonate a-moll aus K. 175, 296, 61; Sonate D-Dur aus K. 443, 208, 29; Sonate G-Dur aus K. 260, deest, 146, 427; Klaviersonate K. 513

Claire Huangci (Klavier)

2014, Berlin Classics, 2 CDs

JPC | Qobuz

 

Jüngst brachte die amerikanische Pianistin Claire Huangci ein Album mit 39 Sonaten heraus, das ich für sehr empfehlenswert halte. Bei ihr klingen Scarlattis Sonaten verspielter, leichter und luftiger als bei Zacharias. Auch bei ihr wird bei aller Virtuosität diese nie des Effekts wegen in den Vordergrund gespielt. Unterstützt wird ihr etwas anderes Spiel durch den etwas helleren Klavierklang mit leicht zurückgenommenen unteren Lagen. Manchmal gefällt mir diese Lesart besser, manchmal jedoch ist Zacharias' zupackenderer Stil angemessener. Von ihrem spieltechnischen Können liegen beide auf sehr hohem Niveau – wobei Zacharias vielleicht über eine etwas breitere und differenziertere Anschlagtechnik verfügt. 

 

Ich lege – je nach Stimmung – beide Aufnahmen gern auf; dennoch greife ich spontan meist zu Huangcis Einspielung.

 

Wenn ich mich nicht verzählt habe, überschneiden sich die Programme von Zacharias und Huangci nur bei sieben Stücken, so dass man – wenn man sich beide Aufnahmen zulegt – knapp sechs Stunden lang mehr als 80 verschiedene Sonaten hören kann. Wer denn so lange durchhält ...