Einzel- oder Gesamteinspielungen?

In den vergangenen Monaten lernte ich Gesamteinspielungen klassischer Musik zu schätzen. Meist enthalten sie Werke, die ansonsten selten bis gar nicht eingespielt werden. Dass bestimmte Stücke eines Komponisten seltener aufgeführt werden, muss nicht immer bedeuten, dass sie zweit- oder drittklassig sind. Ganz im Gegenteil schlummern jenseits des Mainstream oft Stücke, die gerade deswegen so hörenswert sind, weil sie uns nicht ständig irgendwo vorgedudelt werden.

Auf der anderen Seite mag ich die Geschlossenheit, die von einer Gesamtaufnahme ausgehen kann. Suche ich mir die Werke einer Gattung eines Komponisten mit verschiedenen Interpreten zusammen, so ergibt sich diese Geschlossenheit selten. Klingt schon aufnahmetechnisch jede Einspielung anders, so wirken die Unterschiede in den Interpretationen meist noch deutlich verschiedener. Gerade bei Einspielungen mit Tasteninstrumenten fiel mir das in der jüngeren Vergangenheit immer häufiger auf, z. B. wenn ich mich durch die Klavierwerke von Beethoven oder Schubert hörte.

 

Der Wechsel zwischen verschiedenen Interpreten stört mein Hörvergnügen meist so stark, dass ich mehrere Werke nicht zusammenhängend hören mag. Ganz anders erlebte ich das bei meinen ersten Klavier-Gesamteinspielungen: Bei Barenboims Interpretation der Klaviersonaten Schuberts mag ich gar nicht aufhören, habe ich erst einmal begonnen, sie zu hören. Auch Kirschnereits Einspielung Mendelssohns Lieder ohne Worte läuft nur noch am Stück.

 

Für mich selbst beantworte ich die eingangs gestellte Frage also ganz klar mit Gesamteinspielungen.